Inklusion an Wetterauer Schulen

Stand der Inklusion an den Wetterauer Schulen

Ein Diskussionspunkt auf der Kreiselternbeiratssitzung am 15.10.2018 war die Entwicklung der Inklusion an Wetterauer Schulen nach Ende der „Modellregion Inklusive Bildung im Wetteraukreis“.

Mit dem Ende des Schuljahres 2017/18 endete die fünfjährige Projektlaufzeit „Modellregion Inklusive Bildung im Wetteraukreis“. In Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention sollte damit Schülerinnen und Schülern mit Behinderung oder besonderem Förderbedarf ein gemeinsamer, inklusiver Unterricht an Regelschulen ermöglicht werden. An fünf Wetterauer Förderschulen wurden Beratungs- und Förderzentren zur Unterstützung der Regelschulen aufgebaut. An drei dieser Förderschulen liefen in dem Zuge die stationären Förderschulklassen aus.

Auf der Abschlussveranstaltung zur Modellregion im Februar dieses Jahres wurde von Seiten des Kreises und des Kultusministeriums eine positive Bilanz gezogen. Auf Basis der Erfahrungen aus der Modellphase solle der eingeschlagene Weg zu mehr inklusiver Beschulung an den Regelschulen fortgesetzt werden. Dem Kreiselternbeirat liegt der offizielle Geschäftsbericht zur Modellphase und ein darauf aufbauendes Konzept zum weiteren Ausbau der inklusiven Bildung noch nicht vor. 

Erfahrungsberichte, die uns aus Eltern- und Lehrerschaft erreichen, spiegeln allerdings große Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung vor Ort wider. Kritikpunkte sind dabei: 

·         unzureichende Vorbereitung und Ausbildung der Lehrkräfte an den Regelschulen für die neuen Herausforderungen in den Klassen;

·         zu geringe Betreuungsschlüssel, zu geringe Stundenzahlen der unterstützenden BFZ-Kräfte an den Regelschulen;

·         fehlende Raumausstattung und Materialien für die inklusive Beschulung;

·         fehlende inklusive Angebote nach Klasse 9 und 10;

·         Überlagerung mit weiteren Problemstellungen an den Schulen, z.B. allgemein steigende Schülerzahlen, Raummangel, Ganztagsentwicklung, Integration.

Aber auch verbliebene Förderschulen leiden unter dem Abzug von Ressourcen. Zunehmend suchen Eltern auch wieder diese stationären Angebote, da sie an den Regelschulen eine optimale Betreuung ihrer Kinder nicht gesichert sehen. Das führt wiederum zu Engpässen an den verbliebenen Förderschulen.


Unser Resümee:

Für die inklusive Beschulung reicht es nicht, die Ressourcen der ehemaligen Förderschulen in die Fläche zu verteilen. Es müssen erheblich mehr Mittel – personell und materiell – aufgewandt werden, um ein qualitativ hochwertiges Angebot an den Regelschulen zu etablieren.
 Es wird nach wie vor einen Bedarf für die spezifischen Möglichkeiten der Förderschulen geben. Auch hier muss ein hochwertiges Angebot in relativer Wohnortnähe aufrechterhalten werden. 

Wichtig ist uns als Kreiselternbeirat dabei, nicht die Inklusion grundsätzlich in Frage zu stellen. Wir befürchten vielmehr, dass dieses Konzept durch mangelhafte Umsetzung diskreditiert wird. Um dem entgegenzuwirken, sollten die beschriebenen Probleme offen thematisiert und ausgewertet werden. Im Fokus müssen hierbei immer die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen stehen. 
 Uns ist bewusst, dass eine solche Umstellung im Bildungssystem Zeit braucht. Aber auch in dieser Zeit muss die optimale Förderung aller Kinder gewährleistet sein, ob an Regel- oder Förderschule.