01.12.2020 

Petition für sicheren Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen


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An 

Herrn Jan Weckler,
Landrat des Wetteraukreises als Schulträger 
Frau Dr. Rosemarie zur Heiden, 
Leiterin des Staatlichen Schulamtes für den Hochtaunuskreis und den Wetteraukreis 
Herr Dr. Reinhold Merbs, 
Leiter des Gesundheitsamtes des Wetteraukreises

 

Der Kreiselternbeirat des Wetteraukreises fordert:
Sicheren Unterricht unter bestem Infektionsschutz für unsere Kinder!

Eltern und Staat teilen einen gemeinsamen Bildungs- und Erziehungsauftrag, verbunden mit Schutz- und Fürsorgepflichten gegenüber unseren Kindern. Diese umfassen sowohl die Wahrung der Bildungschancen der Schülerinnen und Schüler wie auch ihren Gesundheitsschutz und den ihres Umfeldes.

Es ist sicherlich eine große Herausforderung, diesen Bildungs- und Erziehungsauftrag mit den Fürsorgepflichten bezüglich des Gesundheitsschutzes Einzelner und der gesamten Gesellschaft in Einklang zu bringen. Aber auch acht Monate nach der ersten Schulschließung im März fehlt hier eine belastbare Strategie, eine Perspektive für Schüler:innen und Eltern, die uns durch den Winter und das restliche Schuljahr führt.

Wie auch in anderen schulischen Fragen vertreten in dieser Diskussion die nach dem Hessischen Schulgesetz gewählten Elternbeiräte auf Schul- Kreis- und Landesebene die Elterninteressen gegenüber Schule, Schulverwaltung und Politik. In dieser Rolle stellen wir folgende Forderungen zum Umgang mit der Pandemie im Schulsystem auf:
 
 

1.    Jetzt Präsenzunterricht für das Schuljahr 20/21 sichern – 
 auch unter Einbeziehung von Wechselunterricht für höhere Jahrgänge

Das Bildungsangebot und die Bildungschancen für alle Schüler:innen müssen auch unter den Pandemiebedingungen gesichert werden. Es gibt viele gute Gründe dafür – soziale wie pädagogische, dies in Form von Präsenzunterricht zu tun. Hierfür muss aber alles unternommen werden, das Infektionsrisiko innerhalb des Präsenzunterrichtes für Schüler:innen und Lehrkräfte so gering wie möglich zu halten. Die Sicherung des Infektionsschutzes ist Voraussetzung dafür, einen erneuten Lockdown auch an den Schulen zu verhindern!

Daher fordern wir auch angepasste Unterrichtsmodelle wie den Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht in altersgerechter Form. Grundschulen sollten hintangestellt werden, da in diesem Alter kein eigenständiges und unbetreutes Lernen zuhause möglich ist. Spätestens ab der Mittelstufe kann aber ein zeitweises selbständiges Arbeiten erwartet werden, ab dieser Altersstufe gleicht sich das Infektionsrisiko dem von Erwachsenen an. Der Wechsel zwischen Distanz- und Präsenzphasen gewährleistet dabei weiterhin den direkten Austausch der Schüler:innen mit ihren Lehrkräften und auch untereinander. Lernplattformen wie WTK-EDU ermöglichen dies auch in den Distanzphasen.
 
 

2.    Jetzt Schutzmaßnahmen für diesen Winter realisieren – 
 Investitionen über die allgemeinen AHA+L Regel hinaus

Der Infektionsschutz an den Schulen besteht bisher wesentlich im Einhalten der allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln, soweit dies das eingeschränkte Raumangebot überhaupt zulässt. Das oben geforderte Wechselmodell würde darüber hinaus die Kontaktzahlen reduzieren. Das Teilen der Lerngruppen wirkt gleich dreifach: Verdoppelung des Abstandes, Halbierung der Personenzahl und damit der Aerosole im Raum, Halbierung der Kontaktzeiten. Dies reduziert auch das Infektionsrisiko vor und nach dem Unterricht, etwa in der Schulmensa oder der Schülerbeförderung.

Alle technischen Möglichkeiten des Infektionsschutzes, etwa Lüftungsanlagen oder Luftfilter ergänzend zum einfachen Lüften in den Klassenräumen, müssen für den jetzt beginnenden Winter offensiv ausgebaut werden. Hierzu müssen schnell und pragmatisch Zulassungs- und Haftungsfragen geklärt und die notwendigen Gelder bereitgestellt werden. Bereits beschaffte Geräte, die den allgemeinen Sicherheitsvorschriften genügen, müssen provisorisch in den Schulen zugelassen werden.

Nach festgestellter Corona-Infektion in einer Klasse muss eine sofortige Information aller Kontaktpersonen in der Schule erfolgen, insbesondere der unmittelbar betroffenen Lerngruppe. Dies muss verbunden werden mit Quarantäne- und Testmaßnahmen, um eine Weitergabe des Virus sicher ausschließen. Hierzu fordern wir einen klar gefassten Ablaufplan des Gesundheitsamtes, auch um das Vertrauen von Eltern und Schüler:innen in die behördlichen Schutzmaßnahmen herzustellen. Quarantänemaßnahmen, die erst nach mehreren Tagen gemeinsamen Unterrichtes verhängt werden, untergraben das Vertrauen in die Notwendigkeit dieser Maßnahmen.
 
 

3.    Jetzt verlässlichen Distanzunterricht sichern – 
 acht Monate nach dem ersten Lockdown brauchen wir den Plan B 

Parallel zu allen Maßnahmen zur Sicherung des Präsenzunterrichtes muss auch die Verlässlichkeit im Distanzunterricht nach verbindlichen Standards hergestellt werden: zur Sicherung der Beschulung einzelner Schüler:innen oder Lerngruppen in Quarantäne, zur vorbeugenden Umsetzung von Wechselmodellen und zur Vorbereitung eines allgemeinen Distanzunterrichtes nach Stufe 4 des Stufenplanes des HKM.

Dies umfasst sowohl die technische Infrastruktur wie auch pädagogische und didaktische Konzepte für den Distanzunterricht. Schon im ersten Lockdown zeigten sich große Unterschiede zwischen den Schulen und selbst innerhalb einzelner Schulen. Hier wird jetzt ein flächendeckender Standard benötigt. Mangelhafte Vorbereitung auf den Distanzunterricht darf bei verschärftem Infektionsgeschehen nicht das Festhalten am Präsenzunterricht begründen.

Schon die Entwicklung nach den Sommerferien hat uns gezeigt, dass die Hoffnung auf Eintreffen der günstigsten Prognosen nicht länger die Vorbereitung auf den schlimmsten Fall verhindern darf!

 

Es ist uns bewusst, dass für all dies große Anstrengungen, personelle und finanzielle Aufwendungen notwendig sind. Das Schulsystem ist aber eine tragende Säule unserer Gesellschaft – in der aktuellen Situation und für die Sicherung der Zukunft unserer Kinder. Die notwendigen Investitionen sollten hier eine Selbstverständlichkeit sein! Auch über Corona hinaus.