Aktuelles im Mai 2020

Zur Öffnung der Grundschulen ab dem 22. Juni

16.06.2020

 

Mit der Öffnung der Grundschulen ab dem 22. Juni unter Aufgabe der Abstandsregeln wurde von der Landesregierung ein aus Sicht des Kreiselternbeirates problematischer Prämissenwechsel im Umgang mit der Corona-Pandemie vollzogen: Vom absoluten Vorrang für den Infektionsschutz mit den kompletten Schulschließungen im März über den Infektionsschutz als Bedingung für die schrittweise Öffnung im April und Mai zum jetzigen Vorrang für den Präsenzunterricht unter Aufgabe des Infektionsschutzes.

Dieser Prämissenwechsel hätte offen diskutiert werden müssen und nicht einfach im „geheimen“ Corona-Kabinett vollzogen werden dürfen – unter Ausschluss der gesetzlichen Gremien zur Vertretung der Elternschaft. Die erste Sitzung der „Konzeptgruppe Schuljahresbeginn“ im Hessischen Kultusministerium stand am 09.06.2020 unmittelbar bevor. Beim Kreiselternbeirat bestand die Erwartung, dass genau hier die Fragen nach den notwendigen Bedingungen und Maßnahmen zum Vollzug eines Wiedereinstieges in den Regelbetrieb erörtert werden. Es entsteht so der Eindruck, dass mit dem Zeitpunkt der Entscheidung genau diese Diskussion umgangen werden sollte.

Das Ministerschreiben vom 10.06.2020 an die Schulleiterinnen und Schulleiter deutet den beschriebenen Prämissenwechsel zwar an („Im Hinblick auf das Recht auf Bildung, die Chancengerechtigkeit und vor allem auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben uns in den vergangenen Tagen und Wochen viele Nachrichten und Anregungen erreicht …“), erweckt aber den Eindruck, dass gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse jetzt das Abstandsgebot in den Schulen obsolet machen („kommen verschiedene medizinische Fachgesellschaften […] zu dem Ergebnis, dass die derzeit gültigen Abstandsregelungen im Schulbetrieb für das Infektionsgeschehen keine entscheidende Rolle spielen“). Nach unserer Einschätzung gibt es hierzu allerdings noch keine einhellige, gesicherte wissenschaftliche Aussage. Es mag vorläufige Studienergebnisse in dieser Richtung geben, andere Ergebnisse gehen in eine andere Richtung, z.B. zur Virus-Übertragung durch Aerosole. Diese deuten eher auf die Notwendigkeit strengerer Schutzmaßnahmen in den Klassenräumen hin. Hierzu hätte sich der Kreiselternbeirat einen offenen Austausch gewünscht.

Die Frage, welche Prämisse für das Schulsystem Vorrang haben soll, wird auch in der Elternschaft heftig diskutiert. Das Recht auf Bildung und Chancengerechtigkeit der Schülerinnen und Schüler ist ein hohes Gut, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für viele Familien schlicht existenzielle Notwendigkeit. Gleichzeitig ist den Familien aber auch der Infektionsschutz wichtig, dass zeigen uns viele besorgte Rückfragen von Eltern nach den teilweisen Öffnungen im Mai, sowie nach der jetzigen Entscheidung. Im Zentrum stehen dabei zwei Fragen: Kann das Abstandsgebot, das drei Monate im Fokus der Corona-Maßnahmen stand, jetzt tatsächlich so einfach gestrichen werden? Warum jetzt für diese zwei Wochen vor den Ferien und nicht mit ausreichender Planungszeit zum neuen Schuljahr? 
Ziel muss nach Erachten des Kreiselternbeirates aber sein, das Recht auf Bildung und den Infektionsschutz bestmöglich miteinander in Einklang zu bringen, ohne das eine für das andere aufzugeben.

Ein Stresstest für die Schulen

Die letzten drei Monate waren ein Stresstest für die Schulen, der viele Mängel offenbart hat, in der Fernbetreuung wie in der Ausstattung der Schulen für den Präsenzunterricht. Die Beschulung der Kinder zuhause ist in großen Teilen gescheitert und ging meist über eine Notbetreuung von Schulseite nicht hinaus. Große Unterschiede in Art und Umfang der Fernbeschulung von Schule zu Schule und von Klasse zu Klasse haben aber gleichzeitig gezeigt, dass auch mit der vorhandenen Infrastruktur sehr viel mehr möglich gewesen wäre. 
 Im Präsenzunterricht traten die schon lange bekannten Mängel in der schulischen Infrastruktur zutage: Personalmangel, Raummangel, mangelhafte Sanitäranlagen … . Dies erschwerte die Umsetzung der Abstands- und Hygienemaßnahmen in den Schulen und führte auch zu dem sehr eingeschränkten Präsenzangebot der letzten Wochen.

Die in diesem Stresstest erkannten Probleme müssen jetzt angegangen werden, als Basis für den Start ins neue Schuljahr. Der für die Öffnung der Grundschulen erfolgte Prämissenwechsel darf nicht der Einstieg in eine Kapitulation vor den aufgezeigten Mängeln sein, nach dem Muster: „wenn das Schulsystem kein adäquates schulisches Angebot unter Wahrung der epidemiologischen Vorsichtsmaßnahmen gewährleisten kann, müssen eben die Schutzmaßnahmen aufgegeben werden.“

Der Kreiselternbeirat fordert daher für den Start ins Schuljahr 2020/21:

  • Die Entwicklung von Infrastruktur und standardisierten Konzepten für die Fernbeschulung bei gleichzeitiger Verpflichtung der Lehrkräfte zu einem solchen Angebot. 
  •  Dies ist auch weiterhin notwendig für die Kinder aus Risikogruppen, sowie für gegebenenfalls notwendige allgemeine oder punktuelle Schulschließungen im weiteren Verlauf der Pandemie.
  • Die Ertüchtigung der Schulgebäude für einen sicheren Schulbetrieb unter Abstands- und Hygienemaßnahmen. 
  • Aufstockung des Personals an den Schulen, auch durch nichtpädagogisches Personal für Aufgaben jenseits des Unterrichtes (z.B. für Aufsicht, Reinigung und IT-Infrastruktur).

 


Auswertung und Fazit zur Elternumfrage des Kreiselternbeirates zur schulischen Situation während der Coronakrise

20.05.2020

 

Vom 21. April bis zum 5. Mai hat der Kreiselternbeirat des Wetteraukreises eine Elternumfrage zu den Erfahrungen mit den ersten Wochen der durch Corona bedingten Schulschließungen durchgeführt. Der große Rücklauf von 6058 ausgefüllten Onlineformularen inklusive ca. 2000 Kommentaren übertraf bei weitem unsere Erwartungen. Insbesondere in die Auswertung der Kommentare haben wir in den letzten Tagen viel Zeit investiert.
Schon beim Versand des Umfragelinks haben wir darauf hingewiesen, dass dies keine repräsentative Erhebung im strengen Sinne sein kann. Wir erhofften uns aber ein Stimmungsbild, um die Gesamtsituation an den Schulen im Wetteraukreis besser einschätzen zu können. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl, der über die Laufzeit recht konstanten Werte bei der Beantwortung der einzelnen Fragen und der vielen persönlichen Kommentare halten wir die Ergebnisse aber durchaus für belastbar (eine Auswahl der Kommentaren finden Sie hier).
Die im folgenden ausgeführten Punkte sind dabei für uns besonders auffällig. Da 48 % der Rückmeldungen aus dem Grundschulbereich stammen, haben wir uns entschlossen, die Ergebnisse für diese Schulform zusätzlich separat auszuweisen.

1. Qualität der Fernbeschulung: 

Hier gibt es große Unterschiede, die stark geprägt sind von der einzelnen Lehrkraft. Gemäß 70 % der Rückmeldungen folgt die Fernbeschulung auch innerhalb einer Schule keinem einheitlichen Konzept (76 % bei Grundschulen).
Die Unterschiede zeigen sich besonders in der Art der Interaktion mit den Schülern. Fehlende Rückmeldungen zu den erledigten Aufgaben und Unterstützung bei der Erarbeitung von Inhalten wurde auch in den Kommentaren häufig bemängelt. Hier fühlen sich die Eltern überfordert und von der Schule allein gelassen. Sie fühlen sich unter Druck, die Rolle der Lehrkräfte ersetzen zu müssen. Auf die Frage nach der Interaktion zwischen Schülern und Lehrern gaben immerhin 20 % der Teilnehmer „ohne Feedback“ an (Grundschulen 55 %) – erschreckend der Wert für die Grundschulen. „Interaktion mit Feedback in allen Fächern“ nannten 11 % (Grundschulen 17 %). Die übrigen 69 % gaben „Interaktion mit Feedback in manchen Fächern“ an (Grundschulen 28 %).
Demgegenüber stehen allerdings auch Schilderungen von sehr guter Betreuung durch die Lehrkräfte z.B. in Form von Videokonferenzen. Diese Form des Unterrichtes ist also möglich und muss Maßstab für eine notwendige Weiterentwicklung und Vereinheitlichung der Standards im Fernunterricht sein. 
 Hierauf weisen auch die Antworten auf die Frage zur Fortsetzung der Fernbeschulung hin. 29 % geben an, „es kann so weitergehen“ (Grundschulen 39 %), 46 % „kann so weitergehen, wenn es Verbesserungen gibt“ (Grundschulen 33 %), und 25 % halten „grundsätzliche Änderungen“ für nötig (Grundschulen 28 %).

2. Frage nach Schulöffnung: 

Viele kontroverse Rückmeldungen haben wir zur Frage nach der Schulöffnung erhalten, insbesondere auch zu unserer Pressemeldung vom 29. April mit der Forderung nach fortgesetzter Schulschließung. Das Umfrageergebnis zeigt hier ein gespaltenes Meinungsbild im Befragungszeitraum: 49 % für die Schließung (Grundschulen 42 %), 39 % gegen Schließung (Grundschulen 45 %), und 12 % ohne Meinung (Grundschulen 13 %).  
In diesem Ergebnis spiegeln sich sowohl die vielen Argumente für eine Schulöffnung aber auch die berechtigten Bedenken dagegen wider. 
Auf der einen Seite stehen die vielfältigen Schwierigkeiten mit dem Fernunterricht, der Betreuung zuhause und die Tatsache, dass nicht alle Schüler die notwendige Unterstützung im Elternhaus bekommen können. Für viele Eltern ist es unmöglich, ihre Berufstätigkeit und die Kinderbetreuung zu vereinbaren. Das gilt in besonderem Maße für alleinerziehende Eltern. Ein großes Problem bei vielen Schülerinnen und Schülern ist die geringe Motivation im Fernunterricht, insbesondere durch den fehlenden direkten Kontakt zu Lehrkräften und Mitschülern.  
Auf der anderen Seite steht die Sorge über die Realisierbarkeit der Abstands- und Hygieneregeln im realen Schulbetrieb und die Qualität des jetzt angebotenen Präsenzunterrichtes unter den gegebenen Einschränkungen. Diese Befürchtungen wurden durch die bereits stattgefundenen Schulöffnungen für die Abschlussklassen bestätigt: Die Hygieneregeln werden vielfach nicht eingehalten und auch nicht kontrolliert. Lehrkräfte müssen zwei Teilklassen gleichzeitig in getrennten Räumen unterrichten. Viele Lehrkräfte fehlen, da sie selbst zu den Risikogruppen gehören. Die Verbindung von Präsenz- und Fernunterricht ist nicht ausreichend koordiniert.

Fazit

Das jetzige Öffnungskonzept mit der politischen Vorgabe, jeder Schüler solle vor den Ferien die Schule noch einmal von innen sehen, wird viele der aktuellen Probleme nicht lösen. Wir befürchten eher eine Verschärfung der Situation, da ein großer Anteil der Lehrkräfte im Präsenzunterricht gebunden sind. Dieser wird aber nur einen äußerst eingeschränkten Fächer- und Stundenumfang an lediglich einzelnen Tagen abdecken. Der Fernunterricht und die Notwendigkeit der Betreuung zuhause bleiben gleichzeitig mit allen beschriebenen Problemen für Schülerinnen und Schüler und ihre Familien bestehen. 
Die Beschulung der Schülerinnen und Schüler zuhause muss daher dringend weiterentwickelt werden. Dieses darf nicht hinter den Schulöffnungen zurückstehen. Schulen und Schulträger müssen jetzt intensiv darauf hinarbeiten, dass technische, pädagogische und rechtliche Voraussetzungen für einen erfolgreichen Fernunterricht geschaffen werden. Insbesondere dürfen Schülerinnen und Schüler aus Risikogruppen nicht unter Druck geraten, am Präsenzunterricht teilzunehmen, um persönliche Nachteile zu vermeiden.

Wie kann es weitergehen?

Es wird keine einfache Rückkehr zur Situation „vor Corona“ geben können. Viele der jetzt auftretenden Probleme sind eine Zuspitzung bereits vorher vorhandener Mängel in Schulen und Schulpolitik.* Die verpasste Digitalisierung rächt sich in der jetzigen Situation, in der eingespielte digitale Kommunikationsformen Voraussetzung für eine Aufrechterhaltung des Unterrichtsangebotes zuhause wären. Mangelhafte Raum- und Personalausstattung, die Vernachlässigung der Hygiene in den Sanitäranlagen, eine Schülerbeförderung in überfüllten Linienbussen – all dies erschwert jetzt die Rückkehr zum „Normalbetrieb“. Die verschärft im Fernunterricht zutage tretende Chancenungleichheit, die starke Abhängigkeit des Bildungserfolges vom Elternhaus war auch vorher schon ein gravierendes Problem im Schulsystem. Alleinerziehende standen schon immer vor Betreuungsproblemen durch fehlende Ganztagsangebote. Bereits die Umsetzung der Inklusion in den Schulen krankt an den beschriebenen Mängeln.
Wie kann es vor diesem Hintergrund gelingen, dass das Jahr 2020 und eventuell auch 2021 trotzdem als erfolgreiches und nicht als verlorenes Bildungsjahr in Erinnerung bleibt? Es ist jetzt Aufgabe der Politik, die lange vernachlässigten Probleme im Bildungssystem anzugehen, jetzt notwendige Investitionen zu tätigen und Neuerungen umzusetzen. Jetzt müssen die Konsequenzen aus der Krise gezogen werden und dass heißt, es darf kein „weiter wie bisher“ nach der Krise geben.

 

*Wir möchten hierzu auf unsere bisherigen Stellungnahmen zu diesen Themen verweisen:

DigitalPakt Schule
Inklusion
Brief zum Schuljahresbeginn 2019/20

 

Aktuelles im April 2020

Pressemitteilung: 
Der Präsenzunterricht soll bis zum Ende des Schuljahres 2019/20 ausgesetzt bleiben 

29.04.2020

 

Am Ende einer Woche voller großer Unsicherheiten für die Eltern und Schüler stand am letzten Freitag der Beschluss des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes: die Schulpflicht für die 4. Jahrgangsstufen der Grundschulen und weiterer Schulformen bleibt ausgesetzt. Dieser vom Kreiselternbeirat begrüßte Beschluss enthält aus unserer Sicht eine wichtige Klarstellung: es besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko im Präsenzunterricht. 

In einer Stellungnahme vom 17.04.2020 formuliert der Kreiselternbeirat bereits seine diesbezüglichen Bedenken: „Vor Beginn eines Präsenzunterrichtes müsse ein realistisches Konzept für die gebotenen Hygiene- und Abstandsregeln stehen. Im Sinne der Gesundheit von Schülerinnen und Schülern und ihrer Familien dürfe es hier keine halben Lösungen geben.“ 

Die in der vergangenen Woche sehr kurzfristige Vorlage von Hygieneplänen des HKM erfüllen diese Bedingung aus Sicht des Kreiselternbeirates nicht. Insbesondere die durchgängige Umsetzung an allen Schulen des Kreises sehen wir nicht gewährleistet. Auf Nachfrage teilte beispielsweise das Gesundheitsamt des Wetteraukreises mit, dass es keine Begehungen und Kontrollen der Hygienepläne vor Ort an den Schulen geben werde. Auch von Seiten des Schulamtes und des Schulträgers erhielt der Kreiselternbeirat auf Anfrage keine konkrete Information zu den getroffenen Maßnahmen an den Schulen. 

Auf Basis dieser Entwicklung fordert der Kreiselternbeirat:

Der Präsenzunterricht soll bis zum Ende des Schuljahres 2019/20 ausgesetzt bleiben. Einzige Ausnahmen könnten unter bestimmten Bedingungen die tatsächlichen Abschlussklassen des laufenden Schuljahres sein. Notwendig hierfür wäre der fachlich überprüfte Gesundheitsschutz im Präsenzunterricht, eine absolute Chancengleichheit auch für die Risikogruppen, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können und die Sicherung der Betreuung für die übrigen Jahrgangsstufen im Fernunterricht. Können diese Bedingungen nicht erfüllt werden, muss ein Schulabschluss auf Basis der vor der Schulschließung erbrachten Leistungen sichergestellt werden.

Der Präsenzunterricht für einige Klassenstufen deckt auch bei diesen nicht den vollständigen Stundenplan ab. Die kleineren Gruppengrößen und einzuhaltenden Hygienemaßnahmen binden hierbei aber erhebliche Personalressourcen und diese Kräfte fehlen wiederum für die weitere Betreuung aller Schülerinnen und Schüler zuhause. Auch hierin sehen wir eine Verletzung des Gleichbehandlungsgebotes. Die Rückholung aller Jahrgänge bis zum Schuljahresende halten wir nicht für realistisch.

Daher müssen die Anstrengungen jetzt darauf zielen, den Fernunterricht endlich auf eine solide pädagogische und rechtliche Grundlage zu stellen. Hier vermisst der Kreiselternbeirat trotz bereits seit über sechs Wochen andauernder Schulschließung eine deutliche Handlungsanweisung des HKM zu den Pflichten von Schülerinnen und Schülern, von Schulträgern, Schulämtern, Schulen und Lehrkräften in dieser „irregulären“ Unterrichtssituation. Insbesondere auch zur erlaubten oder nicht erlaubten Bewertung der zuhause erbrachten Leistungen.

Bis zum Ende der Sommerferien 2020 muss ein Bildungskonzept entwickelt werden, welches Präsenz- und Fernunterricht auch für länger andauernde Einschränkungen des öffentlichen Lebens nachhaltig regelt. Dieses sollte jetzt schon Modelle für die zu erbringenden Abschlüsse im kommenden Schuljahr enthalten. 

Die im hessischen Schulgesetz verankerten Gremien der Eltern- und Schülervertretung müssen entsprechend ihren Anhörungs- und Mitbestimmungsrechten in die weiteren Abstimmungsprozesse einbezogen werden – auf Landes-, Kreis- und Schulebene. Dies ist aktuell leider häufig noch nicht der Fall.

Auch die Mitglieder des Kreiselternbeirates kämpfen zuhause mit der Betreuung ihrer Kinder vom Kita- bis zum Oberstufenalter. Wir teilen selbst die familiären, beruflichen, teilweise existenzgefährdenden Probleme vieler Eltern in dieser Ausnahmezeit. Den Wunsch nach einer schnellen Normalisierung des Schulbetriebes können wir daher gut nachvollziehen. Kurzfristige, nicht zu Ende gedachte Maßnahmen schaffen jedoch zusätzliche Unsicherheit. Der Kreiselternbeirat fordert daher die Konzentration auf eine nachhaltige Strategie über das Ende dieses Schuljahres hinaus.

 

 

Mit freundlichen Grüßen,

Der Kreiselternbeirat des Wetteraukreises

Pressemitteilung 
zur andauernden Schulschließung und schrittweisen Öffnung für Abschlussklassen

17.04.2020

 

Seit Mittwoch, 15.04.2020 steht nun fest, dass die Schließung der Schulen für einen großen Teil der Schülerinnen und Schüler noch längere Zeit andauern wird. Parallel dazu sollen nun die Abschlussklassen schrittweise zum Präsenzunterricht in die Schulen zurückkehren.


Wir gehen davon aus, dass Kultusministerium, Schulämter, Schulträger und Schulleitungen die vergangenen fünf Wochen intensiv genutzt haben, um Lösungen für diese absehbare Verlängerung zu entwickeln. Wir erwarten jetzt die Vorlage eines Konzeptes, das auch unter diesen schwierigen Bedingungen einen regulären Unterricht und damit verbundene Leistungsnachweise und Abschlüsse für die Schülerinnen und Schüler gewährleistet – im Fern- wie im Präsenzunterricht.

 

Im vergangenen Jahr wurde intensiv über die Schulpflicht im Rahmen der Fridays for Future Demonstrationen diskutiert. Nach der individuellen Schulpflicht der einzelnen Schülerinnen und Schüler steht jetzt der staatliche Bildungs- und Erziehungsauftrag im Fokus, die staatliche Pflicht, auch unter schwierigen Umständen ein adäquates schulisches Angebot aufrecht zu erhalten. Dieses darf nicht auf bloßer Freiwilligkeit auf Schüler- wie Lehrerseite beruhen und muss einheitlich umzusetzende Standards für alle Schulen beinhalten. Hierbei müssen sowohl die notwendigen epidemiologischen Schutzmaßnahmen wie auch die pädagogischen Anforderungen erfüllt werden.

 

Dass es hierzu vielfältige Möglichkeiten auch im Fernunterricht gibt, haben kreative und innovative Unterrichtsangebote einzelner Schulen und Lehrkräfte in den letzten Wochen bewiesen. An dieser Stelle möchten wir allen daran Beteiligten für ihr großes Engagement in dieser herausfordernden Zeit danken! 

 

Diese Ansätze im Fernunterricht müssen jetzt schnellstmöglich in ein flächendeckendes Angebot überführt werden. Als Hinderungsgrund wurde hierbei oft auf die teilweise mangelnde technische Ausstattung zur Nutzung digitaler Kommunikations- und Lehrangebote in den Elternhäusern verwiesen. Demgegenüber steht aber aus Sicht des Kreiselternbeirates die sehr unterschiedliche pädagogische Unterstützung, die die Kinder im Elternhaus erfahren können. Hier ist zur Wahrung der Chancengleichheit dringend die Wiederherstellung eines engen Kontaktes zu den Lehrkräften auch im Fernunterricht notwendig. Elternbeiräte und Fördervereine stehen hier sicher als Partner bereit, um technische Abhilfe im Einzelfall zu schaffen. Vor der schrittweisen Wiederöffnung der Schulen sehen wir noch einige Hürden, daher darf jetzt nicht die Beschulung der Kinder zuhause vernachlässigt werden.

 

Die Öffnung der Schulen für die Abschlussklassen steht unter dem Vorbehalt der Einhaltung der gebotenen Hygiene- und Abstandsregeln. Hier sieht der Kreiselternbeirat noch sehr viele unbeantwortete Fragen vor einem Start des Präsenzunterrichtes am 27. April. Auch der Wetteraukreis als Schulträger ist hier stark gefordert. Notwendig für einen sicheren Schulbetrieb sind beispielsweise die Ertüchtigung der sanitären Anlagen, fließendes warmes Wasser in den Klassenräumen, insbesondere auch in Containeranlagen, die Bereitstellung von Seife, Desinfektionsmitteln und Papierhandtüchern. Hinzu kommt eine regelmäßige professionelle Reinigung und Desinfektion, bei Bedarf auch mehrfach am Tag. Zur Wahrung der Abstandsregeln ist ein Raumkonzept für die verkleinerten Lerngruppen, auf den Gängen und Schulhöfen sowie eine Lösung in der Schülerbeförderung mit Bus und Bahn notwendig. Vor Beginn eines Präsenzunterrichtes muss ein realistisches Konzept für diese Fragen stehen. Im Sinne der Gesundheit von Schülerinnen und Schüler und ihrer Familien darf es hier keine halben Lösungen geben.

 

 

Mit freundlichen Grüßen,

Der Kreiselternbeirat des Wetteraukreises

Aktuelles im März 2020

Halbzeit im Kreiselternbeirat 2019/21

seit seiner Wahl im Februar 2019 hat der Kreiselternbeirat viele Gespräche mit Schulelternbeiräten des Wetteraukreises geführt. Dabei haben Sie uns über alle Schulen und Schulformen hinweg immer wieder über die gleichen, seit Jahren währenden Infrastrukturprobleme berichtet:

Eine mangelhafte Personalversorgung und stockende Ausbau- und Sanierungsmaßnahmen führen dazu, dass auch die dringend notwendige konzeptionelle Neuausrichtung von Schulen ausgebremst wird. Neben den negativen Folgen für den täglichen Unterricht bleiben dabei auch Zukunftsthemen wie die Digitalisierung, der Ausbau von ganztägiger Betreuung an Grundschulen oder die Inklusion nach Abschluss der Modellregion im Wetteraukreis auf der Strecke.

Was sagen Schulträger, Schulamt und Kultusministerium? 

Unsere Gespräche mit Vertretern von Schulträger, Schulamt und Kultusministerium zeigten bisher keine befriedigenden Lösungsstrategien auf. Stattdessen wurden Probleme geleugnet (kein massiver Stundenausfall), kleingeredet (nur Einzelfälle, alles sei doch auf einem guten Weg…) oder es wird ausführlich begründet, warum es leider keine schnelle Lösung geben könne (Verwaltungsvorschriften, kein Personal, Verantwortlichkeit liegt „bei anderen“).

Was können wir Elternbeiräte tun?

Vor diesem Hintergrund haben sich Kreiselternbeirat und Schulelternbeiräte auf dem letzten SEB-Forum gefragt, wie wir dennoch Lösungen der drängenden Probleme an unseren Schulen vorantreiben können. Einzige Möglichkeit sehen wir darin, unsere Wahrnehmung der Situation an den Schulen stärker in die Öffentlichkeit zu tragen.

In einer öffentlichen Podiumsdiskussion möchten wir daher die grundlegenden Infrastrukturprobleme bei Personalversorgung und Baumaßnahmen erörtern. Wir werden dazu Vertreter des Kreises, des Schulamtes und des Kultusministeriums einladen. Als Veranstaltungsreihe soll dieses dann im kommenden Schuljahr mit den inhaltlichen Themen fortgeführt werden. Ausgangspunkt der Diskussionen sollen jeweils Ihre Erfahrungsberichte aus erster Hand aus den Schulen sein.

Dafür braucht der Kreiselternbeirat Ihre Unterstützung! 
Erfolgreich kann so eine Veranstaltung nur dann sein, wenn wir möglichst viele „O-Töne“ aus den Schulen des Wetteraukreises zusammenbekommen. Senden Sie uns Situationsberichte von Ihren Schulen, helfen Sie uns bei der Organisation und verbreiten schon einmal den Termin in Ihrer Elternschaft:


Diskussionsforum „Gute Schule Wetterau(?)“
 am 15.05.2020
 ab 16:30 
 Aula des Augustiner Gymnasiums, Friedberg

Zur weiteren Planung und Information laden wir Sie herzlich zu unserem nächsten SEB-Forum ein:

SEB-Forum am 17. März


Aktuelles im August 2019

Brief zum Schuljahresbeginn 2019/20

Liebe Eltern und Elternbeiräte,
liebe Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer,
liebe Schülerinnen und Schüler,

zum Schuljahresbeginn wollen wir in diesem Brief einige Themen reflektieren, die im laufenden Jahr den Kreiselternbeirat, Schulen und Schulpolitik beschäftigen. In vielen dieser Themen steckt die Frage nach aktuellen Veränderungen und der Zukunftsfähigkeit des Bildungssystems. Eine Schule, die den alten Vorwurf „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir“ (Seneca) widerlegen will, muss sich der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler stellen. Diese Lebenswirklichkeit weicht in vielem von den eigenen Erfahrungen der jetzigen Eltern und Lehrergeneration ab. Das macht es nicht immer leicht, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Schule ist ein Spiegel der Gesellschaft, die allgegenwärtigen Veränderungsprozesse prägen bereits den schulischen Alltag. Das Schulsystem reagiert aber auf diese Prozesse häufig erst mit Verzögerung. Bestenfalls sollte Schule unsere Kinder auf künftige Veränderungen vorbereiten, im Idealfall selbst eine Vorreiterrolle einnehmen. Im Schulstreik der Fridays for Future Bewegung steckt auch der Vorwurf, dass Schule genau dies nicht immer tut. 

Fridays for Future

Die Fridays for Future Bewegung mit ihrem Aufruf, endlich dem Klimawandel aktiv zu begegnen, richtet sich nicht nur an „die Politik“, sondern an die gesamte Generation in aktueller Verantwortung einschließlich Eltern- und Lehrerschaft. Die Hartnäckigkeit dieses Protestes speist sich wohl auch aus dem Frust darüber, dass Problembeschreibungen und Lösungsansätze, die seit Jahrzehnten auf dem Tisch liegen, schlicht ignoriert, im praktischen Handeln sogar konterkariert werden. Verstärkt wird dieser Frust durch die hilflose Reaktion aus Politik, Schulverwaltung und Schulleitungen, „Schuleschwänzen dürfe man aber doch nicht“. Ein Rückzug auf formale Fragen, um einer inhaltlichen Auseinandersetzung auszuweichen. Das Thema Klimawandel böte viele Ansätze zur fächerübergreifenden Thematisierung und Diskussion innerhalb des Unterrichtes: von den Naturwissenschaften, über Politik und Wirtschaft bis hin zu ethischen Fragestellungen. Ein solcherart vernetzter und interdisziplinärer Ansatz würde sicherlich auch künftigen Lebensanforderungen an die Schülerinnen und Schüler gerecht.

Digitalisierung

Nach langer Diskussion wurde Anfang des Jahres der DigitalPakt Schule verabschiedet. Er stellt Bundesmittel für den Ausbau der digitalen Infrastruktur an den Schulen bereit. Dieser Ausbau ist überfällig und die bereitgestellten Mittel nur ein erster Schritt zu einer zeitgemäßen Schulausstattung. Schnelles Internet und Whiteboards in den Klassenzimmern sind allerdings nur die Werkzeuge für „die Digitalisierung“ in der Schule. Viel wichtiger scheint uns aber, das Schlagwort „Digitalisierung“ für Schule und Unterricht auch mit Inhalten zu füllen. Lehrpläne und Ausbildung der Lehrkräfte bieten hier bisher noch keine systematischen Ansätze. Diese Unsicherheit gegenüber „der Digitalisierung“ ist allerdings nicht allein ein schulisches Problem. Dies spiegelten sehr deutlich auch die politischen Reaktionen auf das Video des Youtubers Rezo zur Europawahl: „darf man im Internet so etwas überhaupt?“ Wir wollen das Video hier nicht inhaltlich bewerten, es zeigt aber drei sehr konkrete Aspekte der Digitalisierung, die in der heranwachsenden Generation bereits Alltag sind: das Internet als Wissenspool für eine umfangreiche Recherche, den Einsatz digitaler Tools zur Aufbereitung der gewonnenen Informationen und die enorme Wirkmächtigkeit digitaler Medien bei der Verbreitung und Diskussion von Inhalten. Eine Reflektion dieser drei Aspekte im Unterricht ist aber noch viel zu oft abhängig vom Engagement und Wissen einzelner Lehrkräfte oder den Kollegien einzelner Schulen. 

Ganztag

Lebenswirklichkeit und -notwendigkeit in vielen Familien ist heute die Berufstätigkeit beider Elternteile oder eines alleinerziehenden Elternteils. Im Sinne der Chancengerechtigkeit für die Kinder sollte sich dies auch in der zeitlichen und inhaltlichen Ausgestaltung von Schule spiegeln. Die alte Aufgabenteilung, Bildung am Vormittag in der Schule – Erziehung und Freizeit am Nachmittag im Elternhaus, funktioniert so nicht mehr. Dies stellt Schulen – insbesondere Grundschulen – vor große strukturelle und inhaltliche Herausforderungen. Der schleppende Ausbau von ganztägigen Angeboten wird gebremst von einem Schwarzer-Peter-Spiel zwischen Land („muss zuerst mehr Personal stellen“), Schulträger („muss zuerst die räumlichen Voraussetzungen schaffen“) und Schulen („müssen zuerst Konzepte entwickeln“). 
 Für das Jahr 2025 plant nun die aktuelle Bundesregierung einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Bereits 2001, nach den ersten Ergebnissen von PISA beschloss die Kultusministerkonferenz unter anderem „Maßnahmen zum Ausbau von schulischen und außerschulischen Ganztagsangeboten mit dem Ziel erweiterter Bildungs- und Fördermöglichkeiten […].“ Das ist jetzt 18 Jahre her (das Kind ist volljährig) – bis 2025 werden dann ein Vierteljahrhundert vergangen und die Pisa-Kinder von 2001 selbst Eltern sein.

Inklusion

Eine ähnliche Diskrepanz zwischen politischer Vorgabe und praktischer Umsetzung zeichnet sich auch beim Thema Inklusion ab. Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen aus dem Jahr 2006 trat 2009 in Deutschland in Kraft. 2012 wurden in Hessen Grundsatzziele zur Umsetzung inklusiver Bildung verabschiedet. Im Frühjahr 2019 wurde der Geschäftsbericht zur Modellregion Inklusive Bildung im Wetteraukreis (2013–2018) vorgelegt. Dieser bildet vor allem statistische, quantitative Entwicklungen ab. Bisher gibt es keine systematische qualitative Evaluierung der Modellregion. Viele Lehrkräfte und Schulen klagen über Probleme und Überforderung bei der Umsetzung der Inklusion. Sie fühlen sich vor Ort von Land und Schulträger alleingelassen, nur unzureichend ausgebildet und ausgestattet. Das Projekt „Inklusion“ stellt – ernstgenommen – einen grundlegenden Umbau des Schulsystems dar. Dieser Umbau erfordert auch eine grundlegende Überarbeitung von Unterrichts-, Personal- und Raumkonzepten, verbunden mit der Aufstockung der dafür notwendigen Ressourcen. Erfolgreich kann dies nur im konstruktiven Dialog zwischen allen Schulverantwortlichen geschehen. 

Qualität und Vergleichbarkeit von Schulabschlüssen, „Zentralabitur“

Auch in diesem Jahr gab es wieder Diskussionen über das Zentralabitur in Hessen und den gemeinsamen Abitur-Aufgabenpool mit dem Ziel bundesweiten vergleichbarer Schulabschlüsse. Eine Qualitätssicherung erst bei den Abschlussprüfungen der Schülerinnen und Schüler zu starten, greift jedoch zu kurz. Die Basis für eine echte Vergleichbarkeit muss bereits im erteilten Unterricht gelegt werden. Erfahrungsberichte von Schülern und Eltern zeigen jedoch, dass hier regelmäßig Inhalte auf der Strecke bleiben. Auch von Arbeitgebern und Hochschulen wird häufig beklagt, dass Schulabgängern grundlegende Qualifikationen für Ausbildung und Studium fehlen. Die zunehmende Tendenz der Schülerinnen und Schüler zum Abitur dokumentiert gleichzeitig Zweifel an der Qualifikation durch andere (gefühlt „schlechtere“) Schulabschlüsse. Hier muss auch eine Weiterentwicklung von Haupt-, Real- und berufsbildenden Schulen erfolgen, um weiterhin zukunftsträchtige Alternativen zum Abitur bereitzustellen.

Unterrichtsversorgung und Lehrerausstattung

Ohne ausreichende Personalausstattung können Schulen auch keinen ausreichenden Unterricht gewährleisten. Die vom hessischen Kultusministerium immer wieder angeführte „105-prozentige Unterrichtsversorgung“ sehen wir nur bedingt als aussagekräftig an. Sie dokumentiert nicht den erteilten Unterricht im Vergleich zum Soll der Lehrpläne. Die entscheidende Fragestellung müsste hier sein: welche Fachstunden werden tatsächlich vor den Schülerinnen und Schülern gehalten? Nach Abzug von Stundenausfällen, fachfremden Vertretungen oder reiner Beaufsichtigung ohne Arbeitsaufträge. Versuche von Landesschülervertretung und Landeselternbeirat, hierzu verlässliche Daten zu bekommen, liefen bisher ins Leere. Argumente dagegen reichen vom hohen Arbeitsaufwand über den Datenschutz bis zur Vermeidung von Rankings unter den Schulen. In anderen Bundesländern sind solche Erhebungen allerdings durchaus möglich. 

Auch Kultusministerium und Schulen sollten sich hier einer Qualitätskontrolle stellen, so wie sich auch die Schülerinnen und Schüler mit ihren Schulabschlüssen dem Vergleich in Bewerbungsverfahren für Beruf und Studium stellen müssen.

Steigende Schülerzahlen und wachsender Schulraumbedarf im Wetteraukreis

Der Wetteraukreis ist aktuell der am schnellsten wachsende Landkreis Hessens. Waren früher die Geburtenzahlen ein sicherer Indikator für die künftigen Einschulungszahlen, machen steigende Zuzüge ins Kreisgebiet diese Prognose heute immer schwieriger. Sichtbar wird dies an den überall entstehen den Neubaugebieten. Die Entwicklung für die kommenden Jahre lässt sich auch schon in den Kitas absehen. Zum Anstieg der reinen Schülerzahlen kommt noch der Mehrbedarf an Räume zur Umsetzung von Ganztagsangeboten und Inklusion, wie bereits oben beschrieben wurde. Die Erweiterung des Raumangebotes kann hier nicht allein durch Verdichtung der Schulen nach innen geschehen: durch schlichte Doppelnutzung der Räume für Unterrichts- und Freizeitangebote oder die Bebauung der vorhandenen Schulhofflächen, verbunden mit zunehmender Reduzierung von Bewegungs- und Rückzugsräumen für die Kinder. Für kindgerechte Entwicklung von Ganztagsangeboten und Inklusion wären im Gegenteil eher differenziertere Raumangebote notwendig.

Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen bei Schulneubau, Ausbau und Sanierung hinkt der Schulträger dem Bedarf hinterher. Gründe reichen von fehlen Kapazitäten für Planung und Abwicklung beim Wetteraukreis bis zur Suche nach geeigneten Auftragnehmern. Auch die Gemeinden vor Ort stehen in der Pflicht, geeignete Flächen für die Schulentwicklung bereitzustellen.

Die Weiterentwicklung der inhaltlichen, pädagogischen Programme der Schulen ist vielfach von den räumlichen Bedingungen abhängig und stockt entsprechend. Hier besteht also dringend Handlungsbedarf.

Eine gemeinsame Aufgabe

Die Verfassung der hessischen Schulen verteilt die Verantwortung für die schulische Bildung auf das Land Hessen, die Kreise und Kommunen als Schulträger und die Schulgemeinden vor Ort. Erfolgreich ist dieses Konzept jedoch nur, wenn alle drei Verantwortungsebenen konstruktiv zusammenarbeiten und ihren eigenen Aufgabenbereichen gerecht werden.

Kultusministerium und Schulträger stehen dabei in der Pflicht, die notwendigen Rahmenbedingungen für die Arbeit an den Schulen bereitzustellen. Dieser Rahmen muss dann in den Schulgemeinden mit Inhalt und Leben gefüllt werden, von Kollegium, Schüler- und Elternschaft gemeinsam. Hierfür ist eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit in den schulischen Gremien notwendig. Die Schulen haben hier eine große Entscheidungskompetenz und Eigenverantwortung. Dies ermöglicht ihnen, Lösungen zu entwickeln, die eng am Bedarf vor Ort orientiert sind. Es ist gemeinsame Aufgabe in der Schulgemeinde, hierfür Zielsetzungen und Lösungswege zu diskutieren und zu verabschieden. 

Unsere Aufgabe als Kreiselternbeirat sehen wir darin, die Elternschaft in diesem Prozess zu unterstützen und gegenüber Kreis und Land zu vertreten. Maßstab für die Ergebnisse sollte dabei immer das Wohl und Interesse unserer Kinder sein. 

 

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen allen ein gutes Schuljahr 2019/20 –
vor allem aber den Wetterauer Schülerinnen und Schülern!

 

Thomas Seeling

(Vorsitzender des Kreiselternbeirates des Wetteraukreises)

Aktuelles im März 2019

Erstes Treffen mit dem Landrat und Schuldezernenten des Wetteraukreises Herrn Weckler, Bericht in der Kreiselternbeiratssitzung am 18.03.2019


Am 4. März traf sich der neue Vorstand des Kreiselternbeirates mit dem Landrat und Schuldezernenten des Wetteraukreises Herrn Weckler zu einem ersten Vorstellungsgespräch. Thomas Seeling als Vorsitzender und seine Stellvertreterin Carolina Schmelz sprachen dabei einige Schwerpunktthemen des Kreiselternbeirates an. Der Schülerzuwachs und die dadurch notwendigen Ausbaumaßnahmen an vielen Schulen, die Entwicklung der Ganztagsschule, die Digitalisierung und die Schülerbeförderung beschäftigen immer wieder auch die Elternbeiräte vor Ort. In der Kreiselternbeiratssitzung am 18.03.2019 berichtete Thomas Seeling von den Erläuterungen des Landrates hierzu.

Der Wetteraukreis sei demnach der am schnellsten wachsende Landkreis in Hessen. Waren früher die Geburtenzahlen ein sicherer Indikator für die künftigen Einschulungszahlen, machten steigende Zuzüge ins Kreisgebiet diese Prognose heute immer schwieriger. Derzeit liege der Bedarf um 16 Prozent höher, als die Geburtenzahlen vor sechs Jahren vermuten ließen, mit steigender Tendenz. Die Suche nach geeigneten Grundstücken, lange Planungs-, Genehmigungs- und Ausschreibungsverfahren erschwerten eine schnelle Reaktion des Schulträgers auf den steigenden Raumbedarf.

Auch beim Thema Digitalisierung konnte Herr Weckler keine schnellen Lösungen versprechen. Bis zu 10 Mio € könnten in den Wetteraukreis fließen. Ganz entscheidend sei aber auch die Schulung der Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit den neuen Medien. Nur so könne ein nachhaltiger und zielgerichteter Einsatz im Unterricht gewährleistet werden.

Landrat und Kreiselternbeirat wollen den konstruktiven Austausch zur Schulentwicklung im Wetteraukreis auch künftig fortsetzen.
Im weiteren Verlauf der Kreiselternbeiratssitzung wurden Arbeitsgruppen zu den Schwerpunktthemen Infrastruktur und Bauvorhaben, Digitalisierung und Inklusion gebildet. Diese sollen im ersten Schritt den Istzustand aus Elternperspektive evaluieren und dann darauf aufbauend eine Position des Kreiselternbeirates entwickeln. Noch vor den Osterferien werden hierzu auch die Schulelternbeiräte angeschrieben. Ziel ist es, regelmäßige Gespräche zwischen dem Kreiselternbeirat und der Basis in den Schulelternbeiräten zu etablieren.

Aktuelles im Februar 2019


Neuer Kreiselternbeirat Wetteraukreis für Amtszeit 2019-2020 gewählt

Am 16.02.2019 wurde ein neuer Kreiselternbeirat für den Wetteraukreis gewählt. Im Februar ging die zweijährige Amtszeit  des Kreiselternbeirat zu Ende. Aus diesem Grund versammelten sich die Delegierten aller Schulen und Schulformen des Wetteraukreises an der Ernst-Ludwig-Schule in Bad Nauheim, um die neuen Mitglieder des Kreiselternbeirat zu wählen. Die Delegierten wählten, getrennt nach der jeweiligen Schulform,  insgesamt 15 Mitglieder in den neuen Kreiselternbeirat. Nach der Wahl fand die erste konstituierende Sitzung des Kreiselternbeirat statt und der engere Vorstand mit 8 Mitgliedern wurde gewählt. Hierbei wurde Thomas Seeling zum 1. Vorsitzenden und Carolina Schmelz zur 2. Vorsitzenden gewählt wurden. Als Kassenwart wurde Matthias Pietsch im Amt bestätigt. Die neuen Schriftführer sind Andrea Richert (1. Schriftführerin) und Peter Smykalla (2. Schriftführer). Die Wahl des Pressewart fiel, wie in der vorherigen Amtszeit, auf Andreas Gerhardus. In der Funktion des Webmaster wurden Friedhelm Feisel wiedergewählt und Ina Landsiedel als Vertreter gewählt.

Kreiselternbeiratswahl Wetteraukreis 2019

Für den Kreiselternbeirat geht im Februar die zweijährige Amtszeit zu Ende. Daher möchten wir hier noch einmal auf die anstehenden Kreiselternbeiratswahlen am 16. Februar hinweisen. An alle Schulelternbeiräte: Bitte erinnern Sie auch die gewählten Vertreterinnen und Vertreter Ihrer Schule an den wichtigen Termin und informieren bei Verhinderung rechtzeitig eine/n der Ersatzvertreterinnen und Ersatzvertreter. Bitte beachten Sie, dass alle Vertreterinnen und Vertreter ihre Wahlbescheinigung von der Schulleitung unterschrieben erhalten haben. Ohne vorliegende Wahlbescheinigung ist am Wahltermin keine Stimmabgabe oder Kandidatur möglich.

Hier noch einmal die wichtigsten Informationen zum Ablauf der Kreiselternbeiratswahl:
• Samstag, 16. Februar 2019, ab 09:00 Uhr
• Ernst-Ludwig-Schule, Am Solgraben 8, 61231 Bad Nauheim
• Parkmöglichkeit auf dem Parkdeck Schwalheimer Straße
• 09:00 Uhr Anmeldung (bitte unbedingt         die  Wahlbescheinigung  mitbringen)
• 10:00 Uhr Vorstellung des Kreiselternbeirates, seine Arbeit und den Ablauf der Wahl
• 10:30 Uhr Wahlen der Vertreter und Ersatzvertreter für den Kreiselternbeirat des Wetteraukreis nach Schulformen

Im Anschluss findet die konstituierende Sitzung, des neugewählten Kreiselternbeirates des Wetteraukreis statt. Während der Veranstaltung wird auch für das leibliche Wohl gesorgt. Getränke, Waffeln und belegte Brötchen werden zum Verkauf bereitgehalten!